IM ÖKO-FELD: UMSTELLER-Praxistag der LWK-Niedersachsen

 

Was kommt auf mich zu, wenn ich meinen Betrieb auf Bio umstelle? Was muss in Bezug auf Bodengesundheit und Fruchtfolge beachtet werden? Und wie ist eigentlich die Abnahmesituation? Mit diesen Fragen beschäftigten sich interessierte Landwirte am 16. Juni auf zwei Öko-Betrieben in der Öko-Modellregion Heideregion Uelzen. Der Fachbereich Ökologischer Landbau der LWK Niedersachsen konnte für die von der BioOffensive der Deutschen Rentenbank geförderte Veranstaltung mit der Strampe GbR und den Biohöfen Oldendorf zwei besonders anschauliche Betriebe mit dem Schwerpunkt ökologischer Ackerbau ohne Viehhaltung als Orte guter Praxis sowie die Bohlsener Mühle als erfahrenen Bio-Verarbeitungsbetrieb gewinnen.

Landwirt Sönke Strampe bewirtschaftet einen 240 Hektar großen Betrieb in Rieste und hat nach zwei Jahren intensiver Vorplanung 2017 auf eine ökologische Wirtschaftsweise umgestellt. Seitdem baut er unter Einhaltung der strengen Bioland-Richtlinien hochwertige Bio-Produkte mit einer weiten Fruchtfolge an. Dabei spielt der Anbau von Leguminosen wie Kleegras, Erbse und Ackerbohne für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit eine besondere Rolle. „Das Kleegras ist der Motor des Bio-Anbaus“, so Strampe. Durch die Leguminosen wird pflanzenverfügbarer Stickstoff aus der Luft in den Boden gebracht. Gerade für viehlose Betriebe ist das Thema Nährstoffversorgung im Boden ein Knackpunkt. Strampe nutzt z.B. das „cut & carry“ –Verfahren, um Nährstoffe in den Betriebskreislauf einbringen zu können. Dabei wird das Kleegras auf einem „Geberfeld“ gemäht und auf ein „Nehmerfeld“ als Dünger oder oberflächliche Mulchauflage verbracht.

Die Umstellung sei herausfordernd gewesen, so Strampe. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse werden in der Umstellungszeit zwar nach der Ökorichtlinie angebaut, können aber nicht als „Bio“ vermarktet werden. Mit „Sönkes Süßkartoffeln“ in Bioland-Qualität hat sich Strampe als einer der ersten norddeutschen Bio-Süßkartoffel-Anbauer eine Marktnische erschlossen. Sein Getreide vermarktet er an die Bohlsener Mühle in Gerdau. Der Abschluss von Drei-Jahres-Verträgen gibt dabei sowohl dem Landwirt als auch der abnehmenden Hand Planungssicherheit.

Auch Strampes Nachbar Reiner Bohnhorst von den Biohöfen Oldendorf baut für die Bohlsener Mühle Getreide an, darunter sogar Einkorn und Quinoa. Bohnhorst begann schon 1996 mit der Umstellung des elterlichen Betriebes – „aus tiefer Abneigung gegen das Spritzen“. Heute bewirtschaftet er gemeinsam mit Morten Haram über 400 Hektar mit Schwerpunkt Kartoffelanbau nach Bioland-Standard.

Seit 2019 wird auf den Biohöfen Oldendorf zudem Feldgemüseanbau betrieben. Poree, Kohlrabi, Stangensellerie und Brokkoli konnten die Umstellungs-Interessierten sowohl auf dem Feld als auch in der Aufbereitung begutachten. Vermarktet wird das Gemüse an Lidl. Die hofeigenen Kartoffeln werden u.a. durch den Online-Shop der Biohöfe Oldendorf vermarktet. Viel zu sehen gab es bei Reiner Bohnhorst auch bei den Arbeitsgeräten. Zur Unkrautregulierung setzt er neben Striegel und Sternrollhacke in seinen Bio-Zuckerrüben sogar auf einen Hackroboter, der beim Unkrautjäten hilft.

Der boomende Bio-Markt bietet umstellungswilligen Landwirten viele Chancen, so ein Fazit des Umsteller-Tages. Aber das Wachstum der Biobranche kann nur nachhaltig sein, wenn von Erzeuger, Verbraucher und Politik auch die weiterverarbeitenden Strukturen konsequent mitgedacht werden: Bedacht werden muss dabei die gesamte Kette der Wertschöpfung: Von der Urproduktion über die Lagerung und Aufbereitung bis hin zur Weiterverarbeitung und Vermarktung.

Weitere Auskunft zur Umstellungs-Beratung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erteilt Martin.Schochow@lwk-niedersachsen.de vom Fachbereich Ökologischer Landbau der Landwirtschaftskammer Niedersachsen

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