ÖKO-KONNEKTour Uelzen

Niedersächsische Öko-Modellregionen zu Gast in Uelzener Öko-Betrieben

Landkreis Uelzen. Niedersachsen hat im vergangenen Jahr den höchsten Flächenzuwachs im Ökolandbau in ganz Deutschland verbuchen können, trotzdem hängt die Messlatte für die nächsten Jahre hoch: Denn Niedersachsen hat Stand 2021 einen Öko-Flächenanteil von 5,2 Prozent, will aber laut Niedersächsischem Weg bis 2025 10 Prozent erreichen, 15 Prozent bis 2030. Ein Baustein, um dieses Ziel zu erreichen, sind die niedersächsischen Öko-Modellregionen (ÖMR). Sieben Stück an der Zahl, die sich in der vergangenen Woche auf den Weg nach Uelzen gemacht haben: Der Auftakt der Veranstaltungsreihe „Öko-Konnektouren: Niedersachsens Öko-Modellregionen tauschen sich aus“. „Wir haben etwas mehr Fläche als der niedersächsische Durchschnitt mit 6,5 Prozent“, so die Projektmanagerinnen der ÖMR Heideregion Uelzen, Christiane Kania-Feistkorn und Eva Neuls, „aber im Gegensatz zu unseren Nachbarn Lüneburg, Heidekreis und Lüchow-Dannenberg hinken wir noch ganz schön hinterher. Aber wir haben ein wirkliches Pfund hier in unserem Landkreis und das ist die Öko-Kompetenz in den weiterverarbeitenden Betrieben.“ Und die Weiterverarbeiter sind eine wichtige Komponente für umstellungsinteressierte landwirtschaftlich Betriebe, die mit der Ökozertifizierung ihre kompletten Absatzmärkte neu erschließen müssen. Deshalb hat die ÖMR Heideregion Uelzen zum Auftakt der niedersächsischen Öko-Konnektouren in drei Leuchtturmbetriebe des Landkreises eingeladen. Als erste Station war der Bauckhof Klein Süstedt Anlaufpunkt. „Wir haben diesen Betrieb bewusst ausgewählt, weil hier landwirtschaftliche Öko-Kompetenz mit Weiterverarbeitung und Vertrieb zusammenkommen“, erklärt Eva Neuls. „Der Bauckhof Klein Süstedt kann als einer der ältesten Demeter-Betriebe Deutschlands auf eine lange Erfahrung zurückblicken und hat viele heutige Standards mitgeprägt.“ Der Bauckhof ist mehrfach für seine Tierhaltung ausgezeichnet worden, Geschäftsführer Carsten Bauck sitzt in verschiedenen Öko-Ausschüssen und Gremien und setzt sich seit der eigenen Umstellung vor 90 Jahren für die Belange des Ökolandbaus ein. Mit der eigenen Geflügelschlachterei und Weiterverarbeitung hat er vor zehn Jahren die Entscheidung getroffen, die Prozesse von der Kükenaufzucht bis zum Töten und dann der Weiterverarbeitung in den eigenen Händen zu haben. „Eine richtig gute Tierhaltung können wir von jedem Biobetrieb heutzutage erwarten, aber wie die Tiere getötet werden, ist aus Respekt vor dem Lebewesen etwas, was wir und auch die Verbraucher mit bedenken müssen. Deshalb gilt bei unseren Betriebsführungen auch, wer Küken sehen will, kommt um die Schlachterei nicht drumherum.“

Mit Volker Krause, Geschäftsführer und Gründer der Bohlsener Mühle, hat sich ein zweiter Bio-Pionier des Landkreises Zeit für die Fragen der rund 25 Teilnehmer genommen und neben der betrieblichen Vorstellung auch einen Blick aufs große Ganze geworfen: Betriebliche Verantwortung für die Transformation hin zu einer ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Wirtschaft – ein wichtiger Aspekt für die regionale Entwicklung und bei Fragestellungen der Nachhaltigkeit im Mittelpunkt unternehmerischen Handelns. „Als ich vor über 40 Jahren den Entschluss getroffen hatte die Mühle ökologisch zu betreiben, haben auch die ersten Landwirte der Region die Gelegenheit genutzt und auf Bio umgestellt“, erinnert sich Volker Krause. Die weiterverarbeitende Wertschöpfungskette ist für die Landwirte schon immer ein wichtiger Baustein in der Umstellungsplanung. Die Bohlsener Mühle hat mehrere Standbeine: Die 285 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in der Wassermühle, der handwerklichen Frischebäckerei, in der Produktion der Müslis, Snäckebrote, Kekse und Fertiggerichte sowie der Verwaltung.

Mit der Bauckhof Mühle in Rosche besuchte die Delegation der niedersächsischen Öko-Modellregionen die zweite von insgesamt drei Biomühlen im Landkreis Uelzen, gegründet 1969 als Vertrieb für Demeter-Produkte hat sich daraus die heute Bauckhof Mühle entwickelt. Spannend ist, dass beide Mühlen unterschiedliche Schwerpunkte haben. In Rosche wird nicht gebacken, hier ist die hauseigene Produktentwicklung unter anderem dafür zuständig, Backmischungen zu entwickeln, die dann im privaten Haushalt Zubereitet werden. Im Herbst 2020 konnte zudem eine der modernsten Mühlen Europas am Standort in Rosche in Betrieb gehen. Spezialisiert auf glutenfreie Erzeugnisse stärkt sie die Nische, die die Bauckhof Mühle vor fast 20 Jahren für sich gefunden hat. Mit den glutenfreien Hafer-Produkten hat die Bauckhof Mühle ein heimische Getreide-Alternative für Zöliakie-Erkrankte etablieren können. Über sieben Stockwerke erstreckt sich der moderne Mühlenbau und nutzt in den Arbeitsstationen von oben nach unten die Schwerkraft für den Produktionsprozess aus. In der Mühle im Ortskern von Rosche werden die glutenhaltigen Getreide vermahlen. Neu in der Produktlinie sind vegane Getreidemischungen für die Zubereitung von Alternativen zu Bratwurst, Frikadelle und Co.

Geballte Bio-Weiterverarbeitungskompetenz als Besonderheit der Region wurde den Gästen aus den anderen niedersächsischen Öko-Modellregionen auf der Öko-Konnektour im Landkreis Uelzen präsentiert – auch als Inspiration dafür, wie aus Pioniergeist resiliente, zukunftsfähige und verantwortungsbewusste Unternehmen erwachsen können.

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