Eine Frau steht vor vollen Regalen in der Obstabteilung eines Supermarktes.

Gemeinsam stärker: Wie Niedersachsen Ernährung gerechter machen will

13 Handlungsempfehlungen – ein Weckruf für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“

1,3 Millionen Menschen in Niedersachsen sind armutsgefährdet. Armut wirkt sich nicht nur finanziell aus – sie bestimmt auch maßgeblich, wie Menschen essen können und welchen Zugang sie zu gesunden Lebensmitteln haben. Wer wenig hat, kann sich häufig weder ausgewogen ernähren noch selbstverständlich an sozialem Essen teilnehmen. Genau hier setzt das neue Fokusheft „Ernährungsarmut“ an und zeigt eindrucksvoll, wie eng Materielles, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verknüpft sind.

Ernährungsarmut umfasst mehr als fehlendes Geld: Sie zeigt sich in eingeschränkter Lebensmittelauswahl, mangelnder Nährstoffversorgung, und im Rückzug von gemeinschaftlichen Essenssituationen aus Scham oder Ausgrenzung. Das Fokusheft verdeutlicht, dass diese Form der Armut längst mitten in unserer Gesellschaft angekommen ist – auch in Niedersachsen.

Mit dem „Fokusheft Ernährungsarmut“ schreibt das Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen (ZEHN) im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) die niedersächsische Ernährungsstrategie fort. Ernährungsarmut ist ein komplexes Problem, das soziale, wirtschaftliche und gesundheitliche Dimensionen umfasst, so das ML.

13 Handlungsempfehlungen – ein gemeinsamer Fahrplan für bessere Ernährungschancen

Damit Niedersachsen Ernährungsarmut wirksam bekämpfen kann, hat das Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen (ZEHN) gemeinsam mit 31 Organisationen und zahlreichen Expert:innen einen breit angelegten Beteiligungsprozess durchgeführt. Das Ergebnis sind 13 konkrete Handlungsempfehlungen, veröffentlicht im Fokusheft. Sie bilden die Grundlage einer fortgeschriebenen Ernährungsstrategie des Landes.

Die Empfehlungen zeigen ein breites Spektrum an Ansatzpunkten – von frühkindlicher Ernährung über Schulverpflegung, Finanzierung und soziale Teilhabe bis hin zu Forschung, kommunalen Strukturen und Lebensmittelweitergabe. Einige zentrale Inhalte:

1. Bessere Bedingungen für Kinder und Jugendliche

  • Einführung einer möglichst beitragsfreien, hochwertigen Kita- und Schulverpflegung, um allen Kindern gesunde Mahlzeiten zu ermöglichen.
  • Ausbau des EU-Schulprogramms für Obst, Gemüse und Milch – flächendeckend und kostenfrei.

2. Unterstützung für Studierende und junge Erwachsene

  • Ausweitung finanzieller Hilfen, um eine gesunde Ernährung während Ausbildung und Studium sicherzustellen.

3. Soziale Teilhabe stärken

  • Maßnahmen, die Menschen wieder in gemeinschaftliche Ernährungssituationen integrieren – denn Ernährung ist immer auch ein soziales Thema.

4. Regionale Strukturen & Lebensmittelweitergabe fördern

  • Unterstützung für Tafeln und andere Weitergabe-Initiativen, z. B. durch Logistikstrukturen.
  • Stärkung regionaler Wertschöpfung und nachhaltiger Versorgungsnetzwerke, was besonders für die Öko-Wirtschaft relevant ist.

5. Wissen, Forschung & Kommunikation ausbauen

  • Erweiterung der Beratung, mehr Ernährungskompetenz-Angebote und Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse für politische und gesellschaftliche Entscheidungen.

Warum das Fokusheft wichtig für Öko-Wirtschaft und Verbraucher:innen ist

Für die ökologische Lebensmittelwirtschaft bietet das Fokusheft wertvolle Ansatzpunkte:

  • Es unterstreicht den Wert regionaler, nachhaltiger und fairer Lebensmittelversorgung,
  • zeigt, wie wichtig zugängliche ökologische Ernährungssysteme für alle sind,
  • und lädt Akteur:innen dazu ein, aktiv an Lösungen mitzuwirken – von Transparenz über Bildungsangebote bis zu Kooperationen mit sozialen Einrichtungen.

Auch Endverbraucher:innen profitieren direkt von den vorgeschlagenen Maßnahmen:

  • bessere Versorgung in Bildungseinrichtungen,
  • niedrigere Zugangshürden zu gesunden Lebensmitteln,
  • und eine Stärkung der sozialen Ernährungskultur.

Ein Schritt in Richtung Ernährungsgerechtigkeit

Niedersachsen setzt mit dem Fokusheft ein klares Zeichen: Eine gesunde und nachhaltige Ernährung darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Diese Botschaft zieht sich durch sämtliche Handlungsempfehlungen. Sie zeigen, wie Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam Strukturen schaffen können, damit Ernährung kein Privileg bleibt.

Das Fokusheft bietet damit einen praxisnahen und umsetzungsorientierten Leitfaden, um Ernährungsgerechtigkeit Schritt für Schritt Realität werden zu lassen.

Fokusheft „Ernährungsarmut“ auf der offiziellen Website:
https://www.ernaehrungsstrategie-niedersachsen.de/thema/393_Fokusheft_Ernaehrungsarmut

Foto: Anastasiia/stock.adobe.com